KI kann einem kleinen Finanzanlagenvermittler die Schreibarbeit rund um jede Beratung abnehmen: Gesprächsvorbereitung mit aktuellen Depotständen, ein Entwurf der Geeignetheitserklärung in der eigenen Vorlage, eine Beratungsdokumentation, die schon beim Schreiben vollständig ist, und Nachweise, die der Prüfer am Jahresende ohne Suchen findet. Die Empfehlung und die Entscheidung, ob eine Anlage zum Kunden passt, bleiben beim Berater. Sinnvoll ist ein kleiner erster Schritt mit klaren Datenregeln, nicht der Umbau des ganzen Büros.
Die Pflichten dazu sind in der Finanzanlagenvermittlungsverordnung genau beschrieben.
Der Prüfungsbericht für 2025 ist also bis zum 31. Dezember 2026 fällig. Geprüft wird die Einhaltung der §§ 11a bis 23, darunter die Aufzeichnungen nach § 22 FinVermV: der Nachweis, dass die Informationen über den Anleger rechtzeitig und vollständig eingeholt wurden, und der Nachweis über die Geeignetheitserklärung und ihre Aushändigung.
Ein Markt mit großen Beträgen und vielen kleinen Betrieben
Die Beträge dahinter sind groß. Das Geldvermögen der privaten Haushalte lag Ende Juni 2026 bei 9.831 Milliarden Euro, und unter den Kapitalmarktanlagen waren Investmentfondsanteile im zweiten Quartal besonders gefragt: plus 33 Milliarden Euro (Deutsche Bundesbank, Geldvermögensbildung im zweiten Quartal 2026). Jede einzelne Beratung kann für den Kunden um viel Geld gehen. Entsprechend sorgfältig muss sie dokumentiert sein, auch in einem Büro mit zwei Beratern und einer Assistenz.
Wo es heute hakt
- Die Vorbereitung kostet den Abend. Depotauszüge von zwei Plattformen, das letzte Beratungsprotokoll, die Notiz zum Anruf im Frühjahr: Alles wird vor dem Termin von Hand zusammengesucht.
- Das Anlegerprofil veraltet. Kenntnisse und Erfahrungen, finanzielle Verhältnisse einschließlich der Fähigkeit, Verluste zu tragen, und Anlageziele einschließlich der Risikotoleranz müssen nach § 16 Abs. 1 FinVermV vorliegen. Ändert sich im Gespräch etwas, wird es oft nur im Kopf aktualisiert.
- Die Geeignetheitserklärung ist Textbaustein-Arbeit. Viele Erklärungen sind aus dem letzten Fall kopiert und angepasst. Gerade dabei bleiben Angaben stehen, die zu diesem Kunden nicht passen.
- Aufzeichnungen liegen verstreut. Telefonate und elektronische Kommunikation zur Beratung sind nach § 18a FinVermV aufzuzeichnen. Die Aufnahmen liegen in der Telefonanlage, die E-Mails im Postfach, das Protokoll im Maklerprogramm.
- Die Jahresprüfung wird zur Suche. Wenn der Prüfer Stichproben zieht, wird für jeden Fall der Nachweis gesucht, dass die Erklärung rechtzeitig ausgehändigt wurde.
Wo KI hilft
Gespräch vorbereiten. Vor jedem Termin stellt die KI eine Seite zusammen: aktuelle Depotstände, die letzte Empfehlung, Änderungen seit dem letzten Gespräch und offene Punkte, etwa ein Anlegerprofil, das älter als ein Jahr ist. Die Zahlen kommen per Schnittstelle oder Export, die KI schreibt nur die Zusammenfassung.
Anlegerprofil aktualisieren. Aus der Gesprächsnotiz oder der Aufzeichnung schlägt die KI Änderungen am Profil vor: neue Einkommenssituation, geänderter Anlagehorizont, andere Haltung zu Verlusten. Der Berater bestätigt jede Änderung einzeln. Unbestätigtes landet nicht im Profil.
Geeignetheitserklärung entwerfen. Die KI füllt die eigene Vorlage aus dem bestätigten Profil und der Empfehlung, die der Berater gegeben hat. Sie erläutert in verständlicher Sprache, warum die Empfehlung zu Zielen, Risikotoleranz und Verlusttragfähigkeit passt, und markiert jede Stelle, für die ein Beleg fehlt. Der Berater prüft, ändert und gibt frei.
Nachweise gleich mitführen. Regeln, nicht die KI, prüfen vor dem Versand, ob alle Pflichtangaben vorliegen, und vermerken Datum und Weg der Aushändigung. So liegt für jede Beratung ein vollständiger Satz Nachweise in einer Akte, statt über drei Systeme verteilt.
Jahresprüfung vorbereiten. Für jedes Kalenderjahr erstellt die KI eine Übersicht: Zahl der Beratungen, Fälle mit fehlender oder verspäteter Erklärung, Profile ohne Aktualisierung. Lücken fallen im November auf und nicht erst beim Prüfer.
- VorbereitenKIam VortagEine Seite mit Depotständen, letzter Empfehlung und offenen Punkten.
- BeratenBerater und Kundewie bisherGespräch und Empfehlung, aufgezeichnet nach § 18a FinVermV.
- EntwerfenKIMinutenVorschläge für das Anlegerprofil und die Geeignetheitserklärung in der eigenen Vorlage.
- FreigebenBeraterje FallBestätigt Profiländerungen, prüft und gibt die Erklärung frei.
- NachweisenRegelnautomatischPflichtangaben geprüft, Aushändigung vermerkt, Akte vollständig für die Prüfung.
Eine grobe Rechnung für ein Büro mit zwei Beratern
- Beratungen mit Geeignetheitserklärung pro Jahr (Annahme)
- 250
- Stunden für Vorbereitung, Profil und Erklärung je Fall heute (Annahme)
- × 2,5
- Stunden pro Jahr heute
- 625
- Stunden je Fall mit Vorbereitung und Entwurf durch KI (Annahme)
- × 1
- Stunden pro Jahr mit KI
- 250
- Suche nach Nachweisen vor der Jahresprüfung (Annahme)
- 40 → 5
- Stunden pro Jahr zurück
- etwa 410
Wichtiger als die Stunden ist, was sich vermeiden lässt: eine Erklärung, die nicht zum Kunden passt, und ein Prüfungsbericht mit Vermerk über Verstöße. Beides kostet Vertrauen, und Vertrauen ist in diesem Geschäft das Kapital.
Worauf Sie achten sollten
Klare Datenregeln vorab. Kundendaten und Aufzeichnungen gehören in Ihre eigenen Systeme. Nutzen Sie nur Anbieter mit Auftragsverarbeitungsvertrag, Serverstandort in der EU und ohne Training auf Ihren Daten, und halten Sie fest, wer was freigegeben hat.
Entwürfe belegen jede Aussage. Eine Erklärung, die die Ziele aus dem Vorjahr wiederholt, obwohl der Kunde inzwischen im Ruhestand ist, ist schlechter als eine kurze. Lassen Sie jede Passage auf das Feld im Anlegerprofil oder die Stelle in der Notiz verweisen, aus der sie stammt.
Schrittweise einführen. Beginnen Sie mit der Gesprächsvorbereitung, die keine Kundendaten nach außen gibt, und nehmen Sie die Entwürfe der Erklärung erst dazu, wenn die Datenregeln stehen.
Werkzeuge, die passen
Maklerverwaltungsprogramme und Beratungssoftware für Finanzanlagenvermittler bieten Vorlagen für Anlegerprofil, Beratungsprotokoll und Geeignetheitserklärung, viele Haftungsdächer und Pools auch eigene Strecken. Wer damit arbeitet, hat meist Lücken bei der Vorbereitung aus mehreren Plattformen, bei Entwürfen aus Gesprächsnotizen und bei der Übersicht für die Jahresprüfung. Eine eigene Ergänzung lohnt sich, wenn Ihre Vorlagen eigene sind, wenn Depotbanken und Verwaltungsprogramm nicht zusammenarbeiten oder wenn Aufzeichnungen und Akte bisher getrennt liegen.
- Die nächsten 20 Beratungstermine auswählen
- Für jeden eine Seite Vorbereitung erstellen und die Zeit mit bisher vergleichen
- Datenregeln festlegen: welcher Anbieter, wo gespeichert, wer freigibt
- Fünf Geeignetheitserklärungen als Entwurf erstellen lassen und die Änderungen zählen
- Für das laufende Jahr eine Übersicht der Nachweise erstellen und Lücken schließen
- Nach drei Monaten Zeitaufwand und Rückfragen des Prüfers vergleichen
Fragen, die Finanzanlagenvermittler stellen
Darf KI eine Geeignetheitserklärung schreiben?
Sie darf einen Entwurf schreiben. Die Erklärung muss die erbrachte Anlageberatung nennen und erläutern, wie sie auf den Anleger abgestimmt wurde. Diese Abstimmung leistet der Berater. Er prüft und verantwortet jede Erklärung, bevor der Kunde sie erhält.
Muss ich jedes Jahr eine Geeignetheitsbeurteilung liefern?
Nur wenn Sie dem Anleger anbieten, die Geeignetheit der empfohlenen Anlagen regelmäßig zu beurteilen. Dann sind Sie nach § 18 Abs. 3 FinVermV verpflichtet, regelmäßige Berichte zur Verfügung zu stellen. Was Sie angeboten haben, steht in Ihrer Vereinbarung mit dem Kunden, und daran misst Sie auch der Prüfer.
Lohnt sich das für einen Einzelvermittler?
Oft ja, weil eine Person berät, dokumentiert und die Prüfung vorbereitet. Beginnen Sie mit der Gesprächsvorbereitung und der Übersicht für die Jahresprüfung. Die Entwürfe der Erklärung kommen dazu, wenn Vorlage und Datenregeln sitzen.
Eine Regel für jede Beratung
Jede Beratung sollte mit einem aktuellen Anlegerprofil beginnen und mit einer freigegebenen Geeignetheitserklärung und einem vollständigen Nachweis enden. Die KI übernimmt Zusammentragen und Entwerfen, die Beurteilung der Geeignetheit bleibt beim Berater.
Wenn Ihre Beratungsakten vor der Jahresprüfung erst zusammengesucht werden müssen, schreiben Sie mir, mit welchem Verwaltungsprogramm und welchen Plattformen Sie arbeiten und wie viele Beratungen Sie im Jahr dokumentieren. Ich schlage Ihnen vor, ob Gesprächsvorbereitung, Entwürfe der Erklärung oder die Übersicht für die Prüfung der richtige erste Schritt ist. Versicherungsmakler bereiten ein ähnliches Gespräch beim Jahresgespräch vor, Steuerkanzleien sammeln Unterlagen bei der Belegerfassung, und Buchhaltungsbüros beantworten Mandantenfragen.
Sie möchten KI in Ihrem Betrieb einsetzen?
Ich helfe kleinen Unternehmen, aus Ideen Software zu machen, die sich rechnet. Schildern Sie mir, woran Sie arbeiten, und Sie erhalten eine kostenlose erste Einschätzung.